10.11.2016: NS-Täter/innen vor Gericht: Der Umgang mit NS-Verbrechen in der BRD

Flyer IDD A6 1 Entwurf front final10.11. | 20:00 | Nordpol

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, eigentlich sogar ein Rennen gegen den Tod: Seit August 2016 ermitteln deutsche Staatsanwaltschaften gegen vier Männer und vier Frauen, die im Konzentrationslager Stutthof bei
Danzig tätig waren. Die Männer waren als Wachpersonal eingesetzt, die Frauen arbeiteten als Schreibkraft oder Telefonistin im Büro. Die Beschuldigten sind mittlerweile zwischen 89 und 98 Jahren alt, und es ist fraglich, wann die Prozesse eröffnet werden können. Weitere Ermittlungen laufen gegen ehemaliges Personal der Konzentrationslager Auschwitz und Majdanek, Vorermittlungen betreffen derzeit auch die Lager Bergen-Belsen und Neuengamme. Schlagzeilen machte im letzten Jahr die Verurteilung von Oskar Gröning, dem “Buchhalter von Auschwitz” wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen. Im Juni wurde der frühere SS-Wachmann Reinhold Hanning vor dem Landgericht Detmold zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Warum ist das Thema NS-Verbrechen über 70 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus noch so aktuell? Wie kann es sein, dass jetzt erst, gegen Greise, ermittelt wird? Und was bedeuten diese späten, vielleicht viel zu späten Prozesse für die Angehörigen der Opfer, aber auch für die Erinnerungspolitik und -kultur in der BRD?

Ein Vortrag zur juristischen Aufarbeitung der NS-Verbrechen in der BRD am „Ende der Zeitzeugenschaft“.

Referentin: Sabine Reimann (Historikerin und Referentin des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland)“

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Vortrag: Kein rechter Terror nach dem NSU?

Einblicke ins Nazi-Netzwerk der Gegenwart und seinen Aufmarsch in Remagen Vortrag & Diskussion von und mit dem Bündnis „NS Verherrlichung stoppen!“

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Forum gegen Rassismus Campus Dortmund
26.10.2016 | 16 Uhr | TU Dortmund, Haus Dörstelmann
26.10.2016 | 19 Uhr | Nordpol

Iremagen_frontsmail Yozgat verlor am 6. April 2006 seinen Sohn. Er starb in seinen Armen – hingerichtet durch ein rechtes Killerkommando. Im Februar 2012 sagte er in Gegenwart von Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Unser Vertrauen in die deutsche Justiz ist groß“. Er hat nicht aufgegeben – bis heute.

Der NSU Prozess neigt sich dem Ende zu, aber es gibt mehr Fragen als Antworten. Außer der Bundesanwaltschaft glaubt kein Mensch mehr daran, dass der NSU aus nur 3 Täter*innen bestand. Vielmehr zeigt sich, dass es sich beim NSU um ein Nazi-Netzwerk mit klandestinen Kleingruppen nach Vorbild von Blood and Honour handelt. Lange haben die Nazis über das Konzept des führerlosen Widerstands geschwafelt. Dann setzten sie es menschenverachtend und brutal um, und das mit Rückendeckung der Geheimdienste, mindestens unkontrolliert von der Politik und ungehindert durch die Polizei.

Gruppierungen wie das Aktionsbüro Mittelrhein oder der Nationale Widerstand Dortmund sind zwar immer wieder verboten worden, aber sie gründen kurze Zeit später neue: die Parteien Der Dritte Weg oder Die Rechte sind nur zwei Beispiele. Andere genießen den Kadaverschutz der NPD.

Während der letzten 10 Jahre organisierten genau diese Gruppen einen jährlichen Aufmarsch in Remagen. Sie trauern um deutsche Täter und verhöhnen die Opfer des Nationalsozialismus. Auch sie diskutieren – wie der NSU – über den führerlosen Widerstand und haben eine ähnliche Praxis. Genau diese Akteur*innen des organisierten Rechtsterrorismus wollen am 12. November wieder in Remagen aufmarschieren. Das Bündnis „NS Verherrlichung stoppen!“ organisiert auch für dieses Jahr wieder Gegenproteste.

Diese Veranstaltung hat das Ziel, Rechtsterrorismus zu benennen und die antifaschistischen Proteste in Remagen zu bewerben.

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Deutschland ist ein Athlet – Vom Medienevent zur kulturellen Identität

Flyer IDD A6 1 Entwurf front final13.10. | 20:00 | Nordpol

In einer durch mediale Berichterstattung geprägten öffentlichen Debatte nehmen Großveranstaltungen eine besondere Rolle ein. Immer wieder sind sie Anlass, den Fokus der Berichte auf eine bestimmte Region der Welt zu lenken. So sind Olympische Spiele oder Fußball-Welt- und Europameisterschaften eine willkommene Gelegenheit, sich mit den Orten, an denen diese ausgerichtet werden, zu beschäftigen. Die Reportagen und Berichte vermitteln so zwar Informationen über die jeweiligen Regionen, sind darüber hinaus aber auch in einen Prozess der Identitätsbildung eingebunden: Die Beschreibung des Fremden ist ein wesentlicher Bestandteil der eigenen Identitätsfindung.

Im Vortrag wird ebendieser Zusammenhang zwischen Großveranstaltungen, ihrer medialen Aufbereitung und der Aushandlung einer „deutschen“ oder „europäischen“ Identität näher beleuchtet und anhand von Beispielen verdeutlicht.

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08.09. „Wie Lämmer zur Schlachtbank“? Jüdischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Photo of the Bielski family and friends08.09.2016 | 20:00 | Nordpol

„Sie haben sich wie Lämmer zur Schlachtbank treiben lassen!“: So oder ähnlich konnte man  es an deutschen Stammtischen viele Jahrzehnte lang hören. Eine perfide These, die insbesondere den jüdischen Opfern der NS-Vernichtungsmaschinerie Passivität angesichts des Todes, wenn nicht sogar eine Mitschuld an ihrem Schicksal unterstellt. Ganz im Gegenteil haben sich jüdische Menschen, wenn es irgendwie möglich war, gegen den NS-Terror gewehrt.

Der Vortrag bietet einen Überblick über den jüdischen Widerstand: Von mutigen Einzelkämpfer_innen, organisierten Widerstandsgruppen, kompletten Militäreinheiten und  Partisan_innenverbänden bis hin zu Aufständen in Konzentrations- und Vernichtungslagern wird die Bandbreite des jüdischen Antifaschismus vorgestellt. Zudem wird die Frage erörtert, was eigentlich Widerstand während des NS-Regimes bedeutete und welche realen Spielräume für Nazi-Gegner_innen vorhanden waren.

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11.08.: Antifa Café x Küfa x Kaltgetränke

her_mit_dem_schoenen_leben21.07.2016 | 20:00 | Nordpol

Sommerpause mit kalten Getränken
und Linsensuppe

Tach zusammen,

wir machen sowas wie Sommerpause. Also stellen wir die Stühle vom Pol raus und mixen ’n paar Drinks. Außerdem kochen wir, es wird ’ne super Linsensuppe geben. Inhaltlich gibt es diesmal einfach gute Musik.
Kommt rum, trinkt und esst etwas für den guten Zweck.

Es wird mindestens Berliner Luft und Getränke à la carte geben.

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21.07.: Antifaschistischer Kino-Abend mit „Diaz – Don’t Clean Up This Blood“

Diaz_dont_clean_up_this_blood21.07.2016 | 20:00 | Nordpol

Achtung: Diesen Monat eine Woche später als gewohnt!

Genua, Juli 2001: Beim G8-Gipfel treffen sich die größten Industrienationen der Welt unter massiven Protesten von Globalisierungsgegner*innen. Als der Gipfel beinahe vorüber ist, während dem der Demonstrant Carlo Giuliani erschossen wurde, übernachten Demonstrant*innen, Medienvertreter*innen und zufällige Besucher*innen der Diaz-Schule. Die Polizei beschließt, ein Exempel an den vermeintlich Autonomen zu statuieren: Kurz nach Mitternacht des 22. Juli stürmt die Polizei das Gebäude und prügelt zwei Stunden lang auf alle Menschen darin ein.
Die Stunden bis zu diesem Gewaltausbruch und die Frage, wie es danach für die Demonstrierenden und die Täter*innen weiterging, zeigt der Film „Diaz – Don’t Clean Up This Blood“ aus verschiedenen Blickwinkeln. Dabei stützt er sich auf Gespräche mit Betroffenen und Akten des Prozesses gegen die beteiligten Polizist*innen, die sich über elf Jahre hinzogen.

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Noize, booze and revolution: Geschlechterverhältnisse in der DIY-Punkszene

Flyer IDD A6 1 Entwurf front finalDie Do-It-Yourself-Punkszene ist stilistisch von Metal, Punk und Hardcore geprägt, positioniert sich fernab ökonomischer Verwertung und massentauglicher Ästhetik und ist untrennbar mit der linken Szene in Deutschland verbunden. Inhaltlich dominiert die Kritik an Macht- und Herrschaftsverhältnissen. Dies schließt die Vermittlung feministischer Positionen ein. Zugleich wird der szenische Aktivismus stark von Männern und Männlichkeit(en) dominiert. Ein Paradox?

Auf Grundlage einer ethnografischen Feldforschung und sozialwissenschaftlicher Beiträge wird beleuchtet, wie Geschlecht performativ hergestellt und männliche Dominanz ineiner für Egalität und Freiräume kämpfenden Szene stabilisiert wird. Forderungen nach Egalität besitzen, so die Argumentation, lediglich symbolische Wirkung und können sogar zur Legitimation bestehender Ungleichheiten genutzt werden. Die Benachteiligung von Frauen und die Verdrängung von Weiblichkeit an die Peripherien scheint der Szene tief eingeschrieben.

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Einführung in die Staatskritik

Flyer IDD A6 1 Entwurf front finalIn der Linken gehen die Interpretationen über den Staat weit auseinander: für die einen ist er der Garant des Allgemeinwohls, anderen gilt er als das Instrument der kapitalistischen Klassenherrschaft und wieder andere sehen in ihm das Terrain sozialer Kämpfe. Mit dem Seminar wird eine Einführung in die verschiedenen Ansätze materialistischer Staatstheorie geboten. Dabei werden die zentralen Thesen marxistischer Theorie zum Begriff des Staates präsentiert: die instrumentelle Staatstheorie bei Lenin (Staat als Instrument der herrschenden Klasse), hegemonietheoretische Analysen des Staates bei Gramsci, Althusser und Poulantzas (Staat als materielle Verdichtung von Kräfteverhältnissen) sowie die Überlegungen von Paschukanis über das Verhältnis von Warenform, Rechtsform und Staatsform und die daran anknüpfende Staatsableitungsdebatte.

Moritz Zeiler ist Historiker, Politikwissenschaftler und Mitherausgeber von Staatsfragen. Einführungen in materialistische Staatskritik, rls papers, Berlin 2009.

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Straßenkämpfer und Vollzeit-Mütter? Männlichkeit(en) und Weiblichkeit(en) in der Neonaziszene

Flyer IDD A6 1 Entwurf front final 14.04.2016 | 20:00 | Nordpol

„Männliche Neonazis treten als Straßenkämpfer auf, halten Reden, übernehmen Ämter und begehen Gewalttaten, weibliche Neonazis sind für Kindererziehung und Familie zuständig, backen Kuchen, dürfen auch mal von Plakaten lächeln, halten sich ansonsten aber im Hintergrund und haben erst recht nichts zu sagen: Derartige Bilder über Frauen und Männer in der Neonazi-Szene sind weit verbreitet.

Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf die Szene, wird schnell klar, dass die „Aufgabenverteilung“ längst nicht (mehr) so eindeutig ist. Frauen- wie auch Männerbilder haben sich ausdifferenziert, wenn auch biologistische Zuschreibungen weiterhin bestimmend sind.

Der Vortrag gibt einen Überblick über verschiedene Rollenbilder und das Verständnis von „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“, Veränderungsprozesse werden aufgezeigt und daraus entstehende Konfliktlinien beschrieben. Wie gehen Männer in der Neonazi-Szene mit selbstbewusst agierenden Frauen um? Wie vereinbaren Frauen öffentliches politisches Engagement mit den Ansprüchen, die an sie als „Erhalterinnen des Volkes“ gestellt werden? Und wie wirken sich gesamtgesellschaftliche Veränderungen im Geschlechterverhältnis auf die Szene aus? Wie werden entsprechende Debatten und Praxen rezipiert? Auch die AfD hat sich dem Kampf gegen den “Genderismus” verschrieben Welchen Einfluss haben solche Positionierungen auf die Szene? Diese und andere Fragen werden von der Referentin aufgegriffen und bieten Ansätze für weitere Diskussionen im Anschluss an den Vortrag.“

Referentin: Chris Ritter

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Girls don’t play games

Duke Nuken Flyer10.03.2016 | 20:00 | Nordpol

“Girls don’t play games” ist ein Mantra, das eindeutig überholt erscheint, wenn man einen Blick in Wohnzimmer, auf aktuelle Statistiken und die zunehmend vielfältige Klientel internationaler Spielemessen wirft. Dennoch hält sich die Vorstellung des Mediums Spiel als Männerdomäne beharrlich, gerade in der dahinterstehenden Industrie. In Folge begegnet man dort bis heute traditionellen Geschlechterrollen – von der Jungfrau in Nöten bis zur schwerbewaffneten Testosteronbombe – und einer ästhetischen Inszenierung von Weiblichkeit.

Warum das so ist und welche Konsequenzen damit einhergehen, soll dieser Vortrag veranschaulichen. Ferner wird erläutert, inwiefern diese Rollenvorstellungen und Marketingmechanismen Einfluss auf den Alltag jener nehmen, die sich privat oder professionell mit Spielen auseinandersetzen: Gerade der Hashtag #GamerGate und die sich dahinter formierende Bewegung zeigten im vergangenen Jahr deutlich, wie schnell Kritik am Medium Aggressionen schürt und dass sich diese im besonderen Maße gegen jene richtet, die nicht dem Typus des weißen, heterosexuellen, männlichen Gamers entsprechen.

Nina Kiel lebt und arbeitet als freischaffende Illustratorin und Spielejournalistin in Düsseldorf. 2014 veröffentlichte sie ihr Buch “Gender In Games” im Hamburger Wissenschaftsverlag Dr. Kovac. Aktuell forscht sie zum Thema Sex in Spielen und betreibt eine Kolumne mit diesem Themenschwerpunkt auf Superlevel.de.

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